gender jungle - wo/man Der veräffentlichte Körper Doris Stelzers Stelzers Aufklärungsarbeit ist ein diabolisches Spiel mit allen Kontrolleuren der Aufmerksamkeit, die dem Körper, seiner Repräsentation und deren Kommerzialisierung bigotterweise auch im Kunstbetrieb ihre Dienste anbieten. Ein schlimmer Finger, den die Choreografin da zeigt. Als glatte, elegante Geste, deren Beweggründe im besten Sinn „schmutzig“ sind. Durch den Körper und seine soziale wie biologische Geschlechtlichkeit fließt die Ursuppe der Anarchie, und im Genderdschungel, der sich seiner Abholzung beharrlich entzieht, wuchert die permanente Revolution. Unter diesem Aspekt ist „gender jungle - wo/men“ ein getanzter Alptraum: clean an der Oberfläche, und für alle Wächter verderbt in seiner Stuktur. Helmut Ploebst, corpus, online, www.corpusweb.net, 16.1.2009
Tanzquartier & brut Variationen über den Körper Wien - Dem höllischen Thema Schönheit widmen sich zwei Wiener Choreografinnen: Doris Stelzer in gender jungle - wo/man und Doris Uhlich mit mehr als genug. Stelzers Casting hat nicht viel zu tun mit der Ansicht der Torberg'schen Tante Jolesch, dass alles, was ein Mann schöner sei als ein Aff', ein Luxus wäre. Eher schon mit der Anhimmelung des "perfekten" Body des edlen Vampirs Edward im Megaseller Twilight.
Aus Judith Butlers "Gender Trouble" wird bei Stelzer ein Geschlechterdschungel. Unübersichtlichkeit, der mit Ironie begegnet wird. Zwei Tänzer und Lieve De Pourcq, eine athletische Charakterschönheit, flirten mit Stereotypen der Attraktivität. Sie üben sich in Crossdressing, lassen Muskeln vibrieren, bringen ihre luxuriös hingestellten Leiber in laszive Posen. Stelzer macht sich darüber lustig, wie der Konsumenten-Blick auf Klischees von Schönheit und Geschlechterzuordnung hingetrimmt ist und nimmt gekonnt die Ambivalenz des kommerziell designten Androgynen auf die Schaufel. Helmut Ploebst, DER STANDARD/Printausgabe, 18.01.2010
Weiblich oder männlich? Doris Stelzer untersucht Bewegungsmuster Es wird nicht doziert und auch keine weltbewegenden Erkenntniss vermittelt und doch können wir wieder einmal feststellen, dass es nicht der Körper ist, nicht die Natur, die Hüftschwung und High Heels bedingen, sondern gesellschaftliche Normen und tradierte Formen.
Die Choreografie ist mit deutlichem Augenzwinkern inszeniert und entspricht dem Horazschem Diktum vom „Nützen und erfreuen“ in jeder Phase der knappen Stunde. Einen wesentlichen Anteil am Vergnügen hat aber nicht nur das Verschieben der Geschlechterklischees von Frau zu Mann und wieder retour, sondern vor allem das ausführende Trio. Lieve De Pourcq, Gabriel Schenker und Ondrej Vidlar arbeiten mit Muskeln und Knochen als wären sie verformbares Material und zeigen, trotz hoher körperlicher Anforderung, auch noch Spaß an der Performance. Ditta Rudle, Online am: 24.01.2010, © www.tanz.at
views in process Doris Stelzer
Zwei nichtssagende Männer vor kahlen Wänden der Probebühne in statischem Licht und lastender Stille. Sie stehen unbeteiligt herum, setzen sich auf ein Päuschen. Etwas erholt, flaniert das sich genügende Duo auch mal quer durch den Raum. Oder präsentiert sich zurückhaltend narzisstisch mit offenem Hemd, dem Muskel-Spiel von Bauch und Rücken, den Blicken der Zuschauer. Es hat den Charme von durchschnittlichen Katalogmodels. Erst allmählich lösen sich Josep Caballero und Ondrej Vidlar aus ihrer Indifferenz, beginnen eine überdurchschnittliche Präzision und Präsenz aufzubauen, führen kleine, virtuos isolierte Muskelbewegungen im Gesicht oder am Körper vor. Was in den ersten Minuten nach unentschlossener Probensituatuion aussah, entwickelt sich – hat man erst alle Erwartung auf ein Tanzspektakel fahren lassen – zu einer zunehjmend die Aufmerksamkeit fesselnden Body Performance. Doris Stelzer spielt in ihrem Stück “views in process” mit den Repräsentationsmustern männlicher Körper und den sie formenden Gender-Klischees. Keine unbedingt neue Idee. Bei “geringem” Aufwand und verstreichendder Zeit erreichten die österreichische Choreografin und die Tänzer jedoch geschäfrte Konzentration und eine maximale Wirkung. Sie spiegeln in den Posen von Händen und Armen, mit den Stellungen der Beine und minimalen Verschiebungen des Beckens oder Torsos den Blick des Zuschauers und lassen ihm seine Zuschreibungen von “männlicher” oder “weiblicher” Bewegung bzw. Haltung bewusst werden, seine Fixierung und Vorprägung durch Role Models aus dem Katatlog des Geschlechtsverhaltens. Die letzte brillant ausgeführte ironische Lektion bei den Abschlussarbeiten der Residenzkünstlerinnen am Hamburger K3-Zentrum für Choreografie belegte erneut den starken Einfluss der Performing Arts auf die drei Jahrgangs- Künstlerinnen, ihre Neigung zu transdiziplinärem Arbeiten und zur performativen Reflexion von Wahrnehmungen zwischen Akteur-Sender und Empfänger-Voyeur. Klaus Witzeling, ballettanz, März 2009
Normal? Ideal? Doris Stelzer bricht mit gängigen Körperbildern Premiere der K3-Residenzchoreografie „views in process“ Ein Abend an dem wenig getanzt und dennoch viel bewegt wurde. „view in process“ verändert die Sehgewohnheiten in doppelter Hinsicht: Die Choreografie eröffnet einen sensibleren Blick auf die Details unserer Körper und eine neue Sicht auf die von uns verinnerlichten Körperbilder der Gesellschaft. Wenn man denn die Augen dafür öffnen will. (read more...) Lena Zieker, www.tanznetz.de, Dezember 2008
K3 Residenz Tanzplan Hamburg Aus rund 100 internationalen Bewerbungen wurden Lucia Glass (Berlin), Sylvi Kretzschmar (Köln) und Doris Stelzer (Wien) ausgewählt. Im April starten die drei Choreographinnen ihre neunmonatige Residenz im Rahmen von K3 | Tanzplan Hamburg. Wie im vergangenen Jahr werden sie im November und Dezember ihre in Hamburg entstehenden Projekte präsentieren. Die das K3-Team in der Auswahl beratende Fachjury 2008 besteht aus Edith Boxberger (Journalistin), deufert + plischke (Künstlerzwilling) und Sally de Kunst (Künstlerische Leitung, Festival „Belluard Bollwerk International“, Fribourg/Schweiz). www.theaterkanal.de, 21.2.2008
shifted views Des Werbekörpers Rippenmaul Stelzer, Dimchev und Stuart bei ImpulsTanz Das Solo bildet nicht nur den Höhepunkt in der konsequenten bisherigen Entwicklung Stelzers, sondern setzt auch einen Glanzpunkt in das an starken Stücken nicht gerade arme Festival. Sowohl im thematischen Zugang als auch in Choreografie, Dramaturgie und der Umsetzung durch die fantastische Tänzerin Lieve De Pourcq ist shifted view geradezu perfekt. Stelzer hat sich entschieden, dem Stereotyp des Werbesujets "Traumkörper" kein Anti-Klischee entgegenzusetzen. Vielmehr überblendet sie das Frauenbild aus der Reklame mit De Pourcqs athletischem Körper, der Manöver vollbringt, wie sie das klassische Werbemodel unmöglich zustande bringen kann. So entstehen irritierende Unschärfen, gerät die Sicherheit des Stereotyps ins Wanken. Die Tänzerin stellt sich lässig in Pose, starrt ins Publikum und beginnt - lediglich mit ihren Bauchmuskeln und Organen - eine monströse Choreografie zu "tanzen". Die Gedärme scheinen ein Eigenleben zu entfalten, aus der Bauchhöhle drängen zu wollen, die Rippen beginnen zu schnappen wie ein gerade noch mit Haut bedecktes Alien. Ähnlich sinister bringt De Porcq daraufhin ihre zuvor unbewegt gewesenen Gesichtszüge zum Entgleiten und leitet in einen zweiten Teil über, in dem es um den Fetisch des langen, in Stöckelschuhen mündenden Beins und um das Pathos der Pose geht. Stelzer setzt den Höhepunkt dieses Stücks also an den Beginn. Von da an lässt sie ihre Figur in einem berührenden Bogen langsam absinken, näher an das Reklameklischee und dessen Manipulationskraft, weg vom Publikum. (siehe auch www.corpusweb.net ImPulsTanz Glossar Vol.2 Doris Stelzer) Helmut Ploebst, Der Standard, Printausgabe, 30. Juli 2007
Weibliche Körperbilder und Klischees Doris Stelzer, Katharina Weinhuber und andere Jungchoreo-graf(inn)en bei 8:tension Doris Stelzer gelang es schon mit Stücken wie inner space/outer space, zwischenräume oder microscopic view, ihr Publikum zu fesseln. Die feinen Bewegungsabläufe der ursprünglichen Biotechnologin zeugen von einer mikroskopischen Beobachtungsgabe und einem sensiblen Körpergespür. Motiviert durch ihr tiefes Interesse am menschlichen Körper, versucht Doris Stelzer Unerforschtes an die Oberfläche zu bringen. Dabei stehen ihr weder abstrakte Konzepte noch ein sentimentale Verhältnis zum Körper und Tanz im Weg. In ihren Choreografien gibt es keine Belanglosigkeiten, keine Bewgung ist überflüssig. Dadurch entstehen eindringliche Bewegungssequenzen. Ulrike Moschen, SIMs Kultur, Juli 2007
Starke Frauen beim ImPuls Tanz-Festival Saskia Hölbling und Doris Stelzer Stelzer will durch Reduktion eine andere Tiefe erreichen und die Wahrnehmung verändern: "Für das aktuelle Stück habe ich Posen und Ausdruck des Frauen-Bildes in der Werbung analysiert." Die idealisierten Darstellungen prägen das allgemeine Körperverständnis. Stelzer versucht sie mit exakten Studien, die die Wahrnehmung verschieben, zu unterwandern. In "shifted views" läuft der Tänzerin Lieve de Pourcq das Gesicht aus der Form. Augen, Mund und Nase verselbstständigen sich. Andrea Amort, Kurier, 27 Juli 2007 und tanznetz.de
microscopic view
Erstklassige Statements auf internationalem Niveau Die Wiener Tanzsaison 2005/06 hebt mit überraschend vielen gelungenen Premieren ab Einen heißen Saisonstart mit überraschend zahlreichen geglückten Premieren kann der österreichische Tanz für sich verbuchen. Offensichtlich beginnt sich die Wiener Theaterreform in Kombination mit umsichtigen Kuratierungen hier bereits positiv auszuwirken. Christine Gaigg, Akemi Takeya, Chris Haring, Michikazu Matsune und David Subal sowie Doris Stelzer gelangen erstklassige Statements auf internationalem Niveau. (...) Eine Überraschung ist der jungen, bisher eher unauffälligen Choreografin Doris Stelzer, ihrer Tänzerin Lieve De Pourcq und der Fotografin Bettina Frenzel mit ihrer kurzen Arbeit microscopic view im Künstlerhaustheater gelungen: ein sensibler Balanceakt mit heiklen Körperdiskursen zwischen Perfektionswahn, Fragmentierung und Behinderung, zugleich aber auch ein so gemessener wie dichter Dialog zwischen projizierter Fotografie und getanzter Projektion, ohne Sentimentalität oder Arroganz inszeniert sowie obendrein stark dargestellt. Helmut Ploebst, Der Standard 29.12.2005
inner space/outer space Ein kleiner choreografischer Leckerbissen (…)
Ein kleiner choreografischer Leckerbissen war Doris Stelzers inner space/outer space. Stephanie Cumming und Andrea Seewald setzten in weißen, schlichten Kostümen auf weißem Tanzteppich deren elaborierte Bewegungsstudie um. Die reduzierten Bewegungen sind leicht versetzt, manchmal synchron. Fluss und Stopps in Oberkörper und Extremitäten wechseln sich auf ungewöhnliche Weise ab. Die beiden unterschiedlichen Körper erzählen mit kleinen Bewegungssequenzen dieselbe Geschichte auf ihre individuelle Weise. Doris Stelzer hatte den Mut zu etwas, das man in Wien zurzeit nicht oft zu sehen bekommt: Eine reduzierte, präzise Choreografie ohne abstrakten Überbau und jegliche Hilfsmittel klanglicher oder medialer Art. Das Ergebnis lässt sich sehen und auf Fortsetzung hoffen. Der Sprung vom Dreidimensionalen ins Zweidimensionale: das Fotomaterial von "inner /outer space" war nach der Vorstellung im Foyer zu sehen. Ulrike Moschen, www.tanz.at, online 23.März 2004
zwischenräume Ein stilles, ernsthaftes Stück, wunderbar umgesetzt von Yendi Nammour und Christina Regorosa. (...) www.tanz.at, Oktober 2002
Von den davor gezeigten Stücken blieben das stark formalistische, aber gut gemachte Duo „zwischenräume“ von Doris Stelzer in Erinnerung (…) Andrea Amort, Kurier, Oktober 2002
körperseiten/lebensseiten Sonst waren es diesmal die Choreografinnen, die für interessante Beiträge sorgten, besonders (…) und Doris Stelzer im Solo „körperseiten – lebensseiten“. (…)
Silvia Kargl, Salzburger Nachrichten, März 2002
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